Warum man nie das richtige Fahrzeug finden kann…

…sondern das richtige Fahrzeug dich findet…

…haben wir auch lange nicht verstanden. Aber es ist einfach so! Wir haben uns mit dieser Erkenntnis abgefunden und sind eigentlich zufrieden damit. Aber man muss ehrlich sagen: wir haben auch ein riesiges Glück gehabt mit den Fahrzeugen, die uns bisher gefunden haben!

Wie alles begann

Unsere Leidenschaft, mit einem Fahrzeug unsere Reisen zu bestreiten, wurde uns beiden “großen Abenteurern” (Barbara und Florian) unabhängig von einander quasi in die Wiege gelegt: mit unseren Eltern waren wir beide schon immer auf “road trips” unterwegs gewesen, wenngleich auch mit sehr unterschiedlichem grundsätzlichem Reisestil.

Unsere erste größere gemeinsame Reise führte uns nach Irland. Wir bereisten zwei Wochen lang mit einem gemieteten Kleinwagen (einem Citroen C2) und einem kleinen Zelt die ganze Insel. Hin uns wieder mussten wir auch in einem B&B Unterschlupf suchen, weil in der Regenzeit ganze Bäche durch unser Zelt flossen.

Kurz: unser gemeinsamer Reisestil war gefunden und siedelte sich irgendwo zwischen “road tripping” und Wild-Kampieren an, mit einzelnen Zwischenstopps in Pensionen oder Hotels, um sich wieder einmal zu kultivieren. Eines war immer klar: mit Zelt oder Wohnwagen auf einem Campingplatz zu nächtigen, das war nicht das Unsere.

Zeltaufbau

Das Reiseziel verlangt nach Geländegängigkeit

Unseren gemeinsamen Reisestil entdeckt habend, perfektionierten wir unsere Zeltreise-Taktik bei Aktivitäten quer durch Österreich und die näher gelegenen Nachbarländer. Meist mit unserem normalen PKW als Mobilitätsbasis. Gerne aber auch mit Gleichgesinnten; dann aber meist mit definiertem Rahmenprogramm (z.B. Kletter-Touren).

Am Gardasee

So merkten wir auch bald, dass dieser Reisestil am besten zu den skandinavischen Ländern passte. Dorthin zog es uns mehrfach: besonders das nördliche Schweden hat es uns angetan, aber auch Finnland und Norwegen begeistern uns ununterbrochen.

Der “Norden” ist besonders auf Grund des dort verbreiteten “Jedermannsrechts” für uns immer besonders reizvoll gewesen. Das “Jedermannsrecht” gestattet offiziell das Zelten/Campen in der freien Natur, sofern man sich an gewisse Regeln hält: der Umwelt nicht schaden, keinen Müll hinterlassen, und den (privaten) Besitz von anderen Personen achten und nicht stören. Das schafft die Grundlage für eine naturliebende, tolerante Lebensweise, die uns immer in einen gewissen Bann gezogen hat. Genauso, wie es die unvergleichlich schöne Natur getan hat, die immer unberührter wird, je mehr man in den Norden reist.

In einer “Notunterkunft” quasi unter freiem Himmel in Schweden

In Skandinavien lernten wir aber auch, dass es in vielen Situationen von entscheidendem Vorteil ist, wenn man ein geländegängiges Fahrzeug sein Eigen nennen kann. Auch wenn man – wie wir selbst getestet haben – den Norden auch relativ bequem und flexibel mit Zelt und einem normalen Mittelklasse-Wagen (in unserem Fall war es ein gemieteter VW Passat Kombi) bereisen kann.

Je mehr man sich aber abseits der Touristenrouten und näher an der Natur fortbewegen möchte, desto praktischer wird ein geräumiger Allradler. Auf unseren Reisen begleitete und z.B. ein Nissan X-Trail, der für zwei Erwachsene auch eine angenehme Schlafmöglichkeit auf umgeklappten Rücksitzen bietet. Warum soll man nur Gepäck “durch laden” können, wenn auch zwei Schläfer gut Platz haben?

Allrad, Bodenfreiheit, Stabilität… kurz: Geländegängigkeit. Das, hatten wir also gelernt, war essentiell für die Art, wie wir unsere Reisen begehen wollten. Dazu noch die Möglichkeit, darin einen Schlafplatz einzurichten.

Auf unserer Reise durch Costa Rica nutzten wir erneut ein Leihfahrzeug, das uns einen weiteren Aspekt aufzeigte: auch die Größe ist entscheidend. Und häufig – trotz bevorzugt sehr gemütlichem Reisetempo – auch die Wendigkeit des Fahrzeugs.

Paved Roads in Costa Rica

Was haben wir uns nur gedacht?

Nach vielen Reisen mit dem eigenen PKW und unserem Zelt, mit einem Mietwagen (normaler PKW und Geländewagen unterschiedlicher Größe) und Flohs Erfahrungen auf Rotkreuz-Einsätzen waren wir uns nur über eine einzige Sache klar: ein geländegängiges Freizeit-Mobil musste irgendwann einmal her. Aber: es musste etwas besonderes sein. Und: es durfte kein “Wohnmobil” im klassischen Sinne sein. Denn über diese Wohnmobil-Fahrer lachten wir insgeheim immer. Vielleicht also so ein Toyota LandCruiser, wie ihn Floh beim Roten Kreuz gefahren war? Oder vielleicht doch etwas, das man auch im Alltag verwenden konnte?

IFRC Landcruiser, Bulgarien
On mission im Landcruiser

Wir hatten grundsätzlich keine Eile, uns ein eigenes Fahrzeug zu suchen, das unseren Reiseansprüchen Genüge tun würde. Schließlich waren wir bisher mit Leihfahrzeugen und Zelt auf unseren Reisen “ganz gut gefahren”. Doch der Gedanke, dass irgendwann in dieser Richtung etwas passieren müsste/sollte/könnte, ließ uns nicht los. Immer wieder wurden daher die Fühler ausgestreckt und der “Markt beobachtet”, ob es irgendwelche sinnvollen Optionen gäbe. Um ehrlich zu sein, hatten wir uns keine großen Gedanken gemacht, welches spezielle Fahrzeug wir denn suchen sollten. Eigentlich hatten wir ja auch gar keine richtige Erfahrung im Bereich “echter Offroad-Fahrzeuge”. Und der Begriff “Overlanding” (im Sinne von “Reisen mit Expeditionsfahrzeugen”) war uns zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so richtig begegnet gewesen. Also war die Suche ziemlich “fuzzy”, könnte man sagen. Und dann passierte es:

Der Pinzi hat uns gefunden!

Denn – wie schon gesagt – wir sind der festen Überzeugung, dass es unmöglich ist, das perfekte Fahrzeug aktiv zu suchen und zu finden. In Wahrheit ist es genau umgekehrt: die perfekten Fahrzeuge finden diejenigen die zu diesem passen. Eine schöne Vorstellung irgendwie!

Zufällig erschien bei einer Suche auf eBay zu einem eigentlich ganz anderen Thema eine Anzeige: ein Steyr-Puch Pinzgauer 710K aus dem Altbestand der Schweizer Armee; Baujahr 1971; österreichische Papiere; in Privatbesitz. Und der erste Gedanke war: “Wer ist so dämlich und kauft ein Auto (und vor allem einen Oldtimer) über eBay???”. Aber die Anzeige wurde trotzdem genau angesehen: dabei fiel auf, dass die Auktion schon abgelaufen war; außerdem passte der preisliche Rahmen eigentlich nicht ganz zu unseren Vorstellungen. Also: legen wir das Thema wieder ad acta.

Doch irgendwie ließ uns dieses Gefährt nicht los. Tage später ging dann doch eine E-Mail ins Hausruckviertel, wo der Pinzi damals beheimatet war. Und prompt kam eine Nachricht zurück, dass der Wagen doch noch nicht verkauft sei. Viele detaillierte Fotos waren dem Mail beigefügt. Das stachelte unsere Gedanken noch mehr an. Und so wurde relativ rasch ein Besichtigungstermin und eine Probefahrt vereinbart, bei dem wir den Pinzi und seinen damaligen Besitzer, Rupert, kennenlernten. Und alles war sehr ansprechend und freundlich: der Pinzi aber auch der Rupert.

Rupert musste aus beruflichen Gründen seinen Wohnsitz im Hausruck auflassen und nach Hamburg übersiedeln: dort war kein Platz mehr für den Pinzi und so musste er weg. Mit schwerem Herzen wurde der Kaufvertrag von Rupert unterzeichnet. Noch am Tag der Besichtigung: denn schon beim ersten Kennenlernen war klar, dass der Pinzi einfach perfekt zu uns passt. Rupert und Florian hatten ein gemeinsames Interesse: den Amateurfunk. Das machte die Preisverhandlungen etwas einfacher und schlussendlich war für beide Seiten klar, dass der Pinzi bei uns in gute Hände wechseln würde.

Wenige Wochen später wurden unsere Kennzeichen auf den Pinzi montiert und der Wagen fuhr aus dem Hausruckviertel ins Salzkammergut, wo wir damals wohnten. Es war der August 2011.

Pinzi

Auf einfachste Art und Weise richteten wir uns den Pinzi gemütlich für kürzere Ausflüge ein: zum Schlafen hatten Barbara und Florian gerade eben genug Platz im Kofferraum des kurzen 710K. Das reichte uns damals gut. Der kleine Pinzi hat den großen Vorteil, dass man ihn überall hin bewegen kann: ob im Gelände oder durch enge Gassen einer Stadt; überall passt er gut hin.

Ein Bett im Pinzi…

Mit der Zeit kamen immer mehr Kontakte zur Ponzi-Szene zu standen und wir merkten, dass wir auf einmal “Offroader” wurden. Aber eher solche der “gemäßigten Art”. Das passt halt zu uns.

Famlienzuwachs

Den geplanten langen Road Trips durch Europa, die wir uns mit dem Pinzi so vorgestellt hatten, kam nur eines dazwischen: wir wurden eine richtige Familie. 2012 trat Jacob in unser Leben, was unsere Reisegewohnheiten total umkrempelte. Einfach drauf los fahren und die Welt erleben, das war jetzt nicht mehr. Jetzt mussten die Routen und Nächtigungsoptionen auf den Familienzuwachs angepasst werden. Aber Jacob hatte ja von Klein auf schon eine Riesen-Freude mit dem Pinzi. Und so wurde der Wagen ein Familien-Projekt und für unzählige Ausflüge genutzt. So auch heute noch!

Mit Kinderwagen und Offroad-Mobil

Als 2014 dann Samuel in unser Leben trat und wir gefühlt nun eine “wirklich große Familie” waren, zeigte sich erst so richtig, dass der Pinzi perfekt zu uns passt. Denn Samuel war und ist genau so vom Pinzi-Fahren begeistert, wie sein großer Bruder Jacob. So sind wir also als ganze Familie zu Pinzi-Liebhabern geworden. Und jedes Mal, wenn wir in den Pinzi einsteigen und der Motor startet, ertönt schon von allen Seiten unser passendes Lied: “Das macht Spass, das macht Spass, Pinzi fahren, Pinzi fahren, das macht Spass, …”! Und so ist es auch!

Nur eng ist es jetzt plötzlich geworden im Pinzi-Kofferraum. Denn zu Viert mit Kindersitzen, Kinderwagen und Unmengen  an Gepäck wird auch hier der Platz zu wenig. Klar, der Kinderwagen ist mittlerweile weg. Das Gepäck ist aber nicht weniger geworden und die Kindersitze sind noch lange unsere Wegbegleiter.

Also musste eine “Erweiterung” für den Pinzi her, denn an dem wollten wir baulich nicht wirklich große Veränderungen “verbrechen”. Mit dem praktischen Anbauzelt “Vaude Drive Van” war eine günstige und flexible Lösung gefunden. Während man das Zelt als Seiten- oder Heck-Anbau an das stehende Fahrzeug als “Erweiterung” andocken kann, bietet es auch die Möglichkeit ohne Fahrzeug stehen zu bleiben. So sind auch von einem fixen Zeltplatz ausgehende Fahrten problemlos möglich. Aufstellen und Abbauen gehen relativ einfach und schnell, wenn man einmal herauslesen hat, wie es funktionier. Perfekt als für uns als Familie, die viel Platz braucht.

Pinzi mit Zelt im Sand – gut getarnt!

Next Stop: Globetrotter Rodeo

Und weil wir als Familie von diesem ganzen Flair des Offroad-Reisens und Pinzi-Fahrens und so weiter ja immer schon so begeistert waren, fand Barbara es eine gute Idee ein besonderes Geburtstagsgeschenk für Florian im Jahr 2016 zu finden. Es war ein Familienausflug zum Erzberg in der Steiermark, genauer gesagt zum 12. OTA Globetrotter Rodeo. Gekannt hatten wir diese Veranstaltung bisher noch nicht. Aber die Fotos und Stories auf der Homepage des Festivals erzählten schon ihre eigene Geschichte und wir wussten, dass wir uns dort wohl fühlen würden. Und so war es dann auch.

Frühstück beim Globetrotter Rodeo am Erzberg

Was haben wir dort alles gesehen und erlebt? Overlander und Offroader mit ihren Fahrzeugen waren aus ganz Österreich und Europa auf den Erzberg gekommen und versetzten den staubigen Hügel in ein ganz besonderes Flair. Dieses Flair ergriff von uns Vieren sofort Besitz. Zu diesem Zeitpunkt war Barbara sicherlich noch nicht klar, was sie mit diesem Geburtstagsgeschenk ausgelöst hatte.

12. OTA Globetrotter Rodeo, Erzberg, Steiermark

Am Erzberg tummelten sich Expeditionsmobile, Wohnwagen, Haflinger, Pinzgauer, diverse Enduros, Quads, und alles was sich an Gefährt und Mensch im Gelände so wohl fühlt. Über 1500 Fahrzeuge und 4500 Besucher sollen es im Jahr 2016 gewesen sein, haben wir danach gelesen. Die Stimmung war großartig und die Organisation der Veranstaltung ebenfalls. Unsere beiden kleinen Abenteurer waren von der Vielzahl und Vielfältigkeit an Fahrzeugen überwältigt, die die unterschiedlichen Leute für ihre Reisen nutzen. Jeder hatte seinen eigenen Stil gefunden und lebte diesen aus. Tolle Tipps zu Ausstattung und Fahrzeug-Ausrüstung wurden ausgetauscht. Auch wenn wir dort alle sehr sehr unterschiedliche Typen waren, verband uns schlußendlich die Liebe zum Reisen (auf außergewöhnliche Art) mit außergewöhnlichen Fahrzeugen.

Und wir nahmen vom Erzberg viele tolle Erfahrungen mit: sowohl was die Gelände-Fahrtechnik mit dem Pinzi angeht, als auch zum “Overlanding” an sich. Und eines war uns am Ende klar: wenn wir als Familie diese Art des Reisens fortführen wollen, dann müssen wir unsere Fahrzeug-Ausstattung entsprechend anpassen. Oder das Fahrzeug. Aber das war keine wirkliche Option, denn der Pinzi gehört doch zur Familie.

Mit den Worten “Das wär dann was für die Pension” und einem Blick auf einen wunderschön ausgebauten Mercedes Kurzhauber stieg Floh in den Pinzi, als wir uns wieder auf den Heimweg machten.

Was bitte ist denn das?

Wieder einmal hat Florian ein Gedanke nicht losgelassen: der, wie es denn wäre, irgendwann einmal ein “Expeditionsmobil” irgendeiner Art zu haben, in dem die ganze Familie Platz hätte. Aber das wäre dann etwas “für die Pension”, hatten wir ja gesagt gehabt.

Nun, wie das mit Gedanken halt so ist: wenn die einen nicht loslassen, dann verfolgt man sie halt irgendwie doch; wenngleich auch vielleicht nicht mit recht viel Druck dahinter. Und so wurde gelegentlich einmal im Internet die eine oder andere Seite angeklickt und “geschmökert”. Dabei wurde rasch klar: die wirklich großen “Brummer” waren klar außerhalb jedes vernünftigen Budgetrahmens angesiedelt: so kosteten die meisten modern ausgestatteten Expeditions-LKWs gleich einmal so viel wie ein Einfamilienhaus. Auch gebrauchte LKWs in vernünftigem Zustand, wie sie z.B. von den Expetion Truck Brokers angeboten werden, waren weit weg von jeder realistischen Möglichkeit. Also sollte doch alles ein Traum bleiben. Ein Traum allerdings, der schon hinter vorgehaltener Hand im Familienkreis diskutiert wurde. Die fahrenden Einfamilienhäuser von Premium-Anbietern, wie z.B. Action Mobil, waren aber bald nicht einmal mehr Gesprächsstoff: wenn, dann müsste es etwas sein, das wirklich zu uns passt. So was, wie ein Oldtimer der Kategorie Kurzhauber, oder ähnliches. Aber, wie gesagt: ein Traum für die Pension.

Aber dann passierte plötzlich etwas. Denn aus reinem Interesse war vor einiger Zeit ein Such-Agent auf willhaben.at gesetzt worden. In einer Kategorie, die sonst ja niemanden interessierte: “Oldtimer Sonstige”. Und auf einmal flatterten lustige Ergebnisse herein: alte Landmaschinen, noch ältere Oldtimer-Leichen zum Ausschlachten, hin und wieder einmal ein vernachlässigter Unimog, der grundsätzlich viel Potential hätte, wenn man eine eigene KFZ-Werkstatt besitzen würde.

Die Aufmerksamkeit weckte aber ein Inserat mit dem Titel “Oldtimer Sonstige, Oldtimer Baujahr 1961, 53000km” (oder so ähnlich), das eigentlich nichtssagend war. Doch gerade so ein Inserat schaut man sich halt dann doch an. Und dahinter verborgen war ein Borgward B555A.

Was bitte ist ein Borgward? Nie davon gehört! Oder doch? Ach ja, die Borgward Isabella rief dann doch ein Bild von einem wunderschönen Nachkriegsfahrzeug vor dem geistigen Auge auf. Ein bißchen Recherche zeigte auf einmal die Abgründe der deutschen Automobilgeschichte auf und wie Borgward schlußendlich 1961 finanziell zerstört wurde. Schade um so eine tolle und vielseitige Firma, die anderen (damals) aufstrebenden deutschen Fahrzeugbauern zum Opfer fallen musst.

Borgward Isabella Coupé, Bj. 1958 (Quelle: Wikipedia)

1961… da war doch was. Ja, davon stand auch in besagtem Inserat etwas. Und es zeigte sich, dass das angebotene Fahrzeug ein LKW der letzten Baureihe vor dem Konkurs von Borgward sein musste. Die wenigen Bilder im Inserat weckten, in Kombination mit dem über Borgward gelesenen, jedenfalls plötzlich großes Interesse. Aber viel mehr als ein paar erste Eindrücke und äußerst geringe Informationen über das Fahrzeug gab das Inserat nicht her. Und so wurde einmal arglos eine kurze Mail an den Verkäufer gesandt, ob es denn noch verfügbar wäre, dieses Fahrzeug…

Rupert, so hiess der Verkäufer, meldete sich kurz angebunden aber prompt auf die Anfrage zurück und schickte etwas mehr Fotos von diesem “Borgward B555A”: ein schön restaurierter, langschnauziger LKW in grau und blau mit einem bereits ausgebauten Kofferaufbau. Der Innenausbau mutete nach den 70ern oder 80ern an, sah aber auch noch ganz ordentlich aus. Wäre das nicht doch was? Schließlich würde ja auch der Preis in einen akzeptablen Rahmen fallen…
Ein paar Tage später hatte Florian den Rupert dann am Telefon. Diverse grundlegende Fragen zu Technik und Funktionen wurden beantwortet. Und dann verblieb man dabei, dass Florian sich “meldet, wenn er das mit der Familie besprochen hat”.

Tags darauf gestand Florian Barbara, dass er die Gedanken vom Erzberg wohl doch versehentlich weiter getrieben hatte, als geplant war. Der ersten Reaktion des blanken Entsetzens und einer oftmaligen Wiederholung von “du hast gesagt, das wäre etwas für die Pension” wich überraschender Weise bald ein immer größer werdendes Interesse an diesem grau-blauen Ungetüm. Und nachdem wir gemeinsam festgestellt hatten, “die werden uns alle für verrückt halten”, durfte ein Besichtigungstermin ausgemacht werden.

Borgi von Vorne
Borgi at home

Sofort bei der ersten Besichtigung war klar, dass dieser kleine Riese gut zu uns passen würde. Auch technisch war alles grundlegend in Ordnung. Und nach einiger Verhandlung konnte der Kaufvertrag unterschrieben werden. Die Situation kam uns wieder bekannt vor: Rupert, der Vorbesitzer musste schweren Herzens das Fahrzeug abgeben, da er es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nutzen konnte. Und auch dieser Rupert war sich sicher, seinen Wagen in gute Liebhaber-Hände zu übergeben. Schön langsam zeichnete sich da irgendwie ein Muster ab…

Im Jänner 2017 rückte Floh aus, um den Borgi aus der Steiermark zu uns in den Tennengau zu überstellen. Die 300km lange Fahrt war gleich einmal eine ordentliche Belastungsprobe für Fahrer und Fahrzeug, die beide überraschend gut gemeistert haben.

Borgi und Pinzi

Unsere beiden Oldtimer, Borgi und Pinzi, sollen uns ab sofort gemeinsam treue Wegbegleiter sein. Jeder mit seinem eigenen speziellen Flair und Verwendungszweck, wenn man das so nüchtern sagen kann.

Auf jeden Fall erfüllt es uns immer mit Stolz, wenn wir diese Geschichte erzählen können. Denn wir haben zwei echte Unikate der europäischen Automobilgeschichte im Originalzustand in unserem Besitz. Wir hegen und Pflegen sie und haben als Familie schätzen und lieben gelernt. Sicherlich werden wir noch viele schöne Reisen und Abenteuer mit ihnen erleben!

 

Mehr zu den beiden Fahrzeugen folgt in der Kategorie “Fahrzeuge“!
Über Kontaktaufnahme von “Gleichgesinnten” und Interessenten freuen wir uns!

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