Reisen als Familie mit kleinen Kindern

Der (neue) Name dieser Seite wurde bewusst gewählt: “4 travel” heiss ja (auch) “4 reisen”. Und um das gemeinsame Reisen geht es hier.

Noch vor wenigen Jahren waren wir noch 2 Reisende, doch das Leben meinte es gut mit uns und wir können nun als Familie reisen. Zu Viert also.

Reisen mit Kindern
Quelle: urlaubsguru.at

Das Reisen mit Kindern hat unsere Art zu Reisen verändert. Doch, so wie auch im restlichen Leben, hat diese erforderliche Umstellung unsere Freude am Leben und Reisen nicht getrübt. Es ist halt anders geworden.

Nun sind wir mit Jacob (aktuell 5 Jahre alt) und Samuel (aktuell 3 Jahre alt) regelmäßig glücklich und zufieden unterwegs. Dies ist ein kleiner Erfahrungsbericht, wie wir dorthin gekommen sind.

Von Klein auf unterwegs sein

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder zwar im Leben alles verändern und sich Prioritäten grundsätzlich verschieben, aber auch dass es nicht gut ist wegen Kindern alles zu verändern. So haben wir zum Beispiel unsere beiden Burschen von Anfang an, an das Reisen herangeführt; an Stelle das Reisen aufzugeben und zu warten, bis die beiden “groß genug” sind.

Wir haben uns halt gemütlich an das Thema Reisen und das Thema Autofahren heran gehantelt. Nach der ersten Lebenswoche waren die Burschen im Maxi Cosi verpackt auf kürzeren Strecken (ca. 1 Stunde Fahrzeit) in allen möglichen Mobilen unterwegs. Während der Fahrt und danach haben wir stets auf das Verhalten der Kinder geachtet und dann auch so prompt als möglich darauf reagiert. Wenn Hunger oder Durst aufkam, gab es Nahrung. Wenn ein Elternteil in der Nähe sein sollte, um die Hand zu halten, dann wurde das ermöglicht. Auf diese Weise wurden schnell weitere Fahrtetappen ohne größere Pausen möglich.

Ein “Nicht-mit-Wollen” oder ein “Raunzen” gab es während der Fahrt selten. Dafür umso öfter ein Staunen, was man denn während einer kurzen oder langen Reise alles entdecken und kennenlernen kann. Durch “schau einmal ein bunter Baum” oder “hast du das Pferd dort drüben gesehen” haben wir bei unseren Kindern auch von klein an ein Interesse an der Umwelt schaffen können. Dieses Interesse deckt sich wiederum mit unserer Art zu Reisen: wir wollen Dinge wahrnehmen und kennenlernen; wir wollen bewusst reisen. Nach kurzer Zeit war dies auch bei unseren Kindern nicht mehr weg zu denken und mit zunehmendem Alter steigt die Beobachtungsgabe und die Neugier.

Autobahnfahrt
Quelle: bussgeldkatalog.de

“Öde lange Autofahrten”

“Öde lange Autofahrten”, um zum Beispiel rasch über die Autobahn zu einem Ausgangspunkt für die tatsächliche Reise zu kommen, sind für Kinder wirklich anstrengend. Für uns Erwachsene auch, wir können die Notwendigkeit einer solchen Fahrt nur besser einordnen.

Solche Fahrten werden dann schnell zur Nerven-Zerreiss-Probe für alle Beteiligten. So haben wir uns angewöhnt ein gewisses Ablaufschma zu verfolgen:
1.) die Kinder sind grundsätzlich immer mit genügend Bilderbüchern versorgt, die sie von den Kindersitzen aus bequem selbst erreich können;
2.) wenn das Interresse an den Büchern nachlässt, gibt es ein Familie-Beschäftigungsprogramm: es wird “ich sehr etwas, das du nicht siehst” (und anderes ähnliches) gespielt, oder es wird gemeinsam gesungen, oder es wird mit einander geplaudert;
3.) wenn die Müdigkeit bei Einem oder Beiden zuschlägt, wird darauf geachtet, dass derjenige nicht geweckt wird. Dann gibt es ruhige Kinderlieder oder Hörbücher im Radio.

Was es bei uns niemals gibt, ist Video-Schauen über einen mobilen DVD-Player oder das Handy/Tablet. Das widerspricht grundsätzlich unserer Vorstellung von bewusstem Reisen.
Damit dies aber funktioniert, gab und gibt es derartige “Ablenkungen” auch bei Kurzstrecken-Fahrten nie. Das war uns immer wirklich wichtig, denn zu Hause wird auch so gut wie nie “Ferngesehen”.

Car View Mountains
Quelle: Anywhere That’s Wild

Aussicht ist Alles

Was wir gelernt haben, ist dass es wohl das Wichtigste von Allem ist, dass die Kinder während der Fahrt eine gute Sicht nach außen haben. Nur wenn die Kinder während der Fahrt etwas von der Reise mitbekommen, dann macht ihnen das Reisen auch wirklich Spaß. Uns Erwachsenen geht es ja genauso: wenn wir unsere Umgebung angenehm erleben können, dann können wir die Reise genießen.

Das trifft natürlich vor allem dann zu, wenn man – so wie wir – eine eher mobile Art des Reisens liebt. Wir bleiben nur selten länger an ein und dem selben Ort. Meistens zieht es uns nach einer Nacht schon wieder weiter, um Neues zu entdecken. So teilen wir die Neugierde unserer Kinder. Und so wird es auch so gut wie nie langweilig.

Kinderfüße im Rasen
Quelle: ALM

Für uns hat und hatte die Erkenntnis, wie sehr das “Aussehen” das Erlebnis des Reisens für unsere Kinder beeinflussen kann, auch eine maßgebliche Veränderung in puncto Reisemobil gebracht. Uns hat es sogar dazu geführt, dass wir eines unser Traum-Projekte abgebrochen und unseren Oldimer-LKW (den Borgward B555A) wieder verkauft haben. Denn – obwohl die ganze Familie den “Großen Dicken” geliebt hat – er bot für die Kinder nicht die Möglichkeit, die Reise entsprechend zu erleben. Zu mindest nicht in deren aktueller Entwicklungsstufe mit 5 und 3 Jahren. Die Prioritätensetzung war jedenfalls für uns klar: wenn ein solch bedeutender Faktor nicht perfekt passt, dann können wir nicht das Reise-Erlebnis haben und vermitteln, wie es (aus unserer Sicht) sein muss.



Abwechslung macht das Reisen süß

Die Wahl der Destination und der Reiseroute muss bei Reisen mit Kindern natürlich angepasst werden. Uns ist es als Familie am angenehmsten, wenn wir ein möglichst abwechslunsgreiches Erlebnis haben können. Dann haben wir es alle am feinsten.

So wählen wir unsere Reiserouten – sowohl was die Grobplanung des gesamten Trips, als auch was die einzelnen Tagesetappen beziehungsweise Tagesziele angeht – immer so, dass wir genügend Stopps an “aufregenden Plätzen” einlegen können. Dort wird dann eine kurze oder auch einmal eine längere Pause eingelegt und irgendeine Aktivität gestartet: sei es eine kleine Wanderung, sei es eine Besichtigung einer Ruine, oder einfach nur eine kleine Jause – wenn möglich in der Natur. Essentiell scheint es zu sein, immer individuell auf die Kinder einzugehen und sich an deren Energie-Level und situationsspezifischer Motivation (bzw. Motivationsbereitschaft) anzupassen. Wenn einem das gelingt, ist alles gut! Doch es ist klar, dass das nicht immer gelingt. Insbesonders kann es vorkommen, dass jedes der Kinder gerade einen unterschiedlichen “Drive” hat. Dann muss man halt ein Mittelmaß finden, dass für alle passt.

Bei der Wahl der Routen für unsere Reisen haben wir schon vor unseren Kindern immer darauf geachtet, dass uns diese möglichst intensiv in ein Land führen. Mit Kindern ist das nicht anders geworden, aber spürbar wichtiger. Denn kleinere Straßen und (Feld-)Wege führen einen oft an Orte, die man von einer klassischen Hauptverbindungsstrecke aus niemals entdeckt hätte. Durch die primäre Nutzung derartiger Straßen wird die Reisegeschwindigkeit automatisch gedrosselt und eine bessere Wahrnehmung der Umgebung, die dazu noch abwechslungsreicher ist, entsteht. Autobahnen nutzen wir in der Regel nur selten.

Gewundene Bergstraße
Quelle: iStock Photo

Gute Vorbereitung muss sein

Während wir als kinderloses Paar außer dem Notwendigsten nur ganz wenig für unsere Reisen vorbereitet haben, mussten wir lernen, wie wichtig “Vorbereitet sein” für eine Reise mit (kleinen) Kindern ist.

Das bedeutet jetzt keinesfalls, dass man jede Sekunde einer Reise und jeden Kilometer einer Route, oder gar jeden Nächtigungsplatz im Voraus planen muss. Nein, ganz im Gegenteil: wir haben uns die Spontanität des Reisens größtenteils beibehalten.

Wir haben aber begonnen, uns bereits im Vorfeld stärker auf Eventualitäten vorzubereiten. Das beginnt damit, immer eine Storno-Versicherung für Buchungen (z.B. Fähre, Hotel, oder was auch immer) mit abzuschließen. Es geht weiter bei einer ganz akribischen Vorbereitung der Reise-Apotheke, die wir besonders auf die Destination und deren medizinische Versorgungsdichte abstimmen. Selbstverständlich muss auch für jede Art Wetterlage und Aktivität die passende Kleidung in mehrfacher Ausführung mit genommen werden, was oftmals eine große Herausforderung in puncto Priorisierung und Transportvolumen darstellt. Aber natürlich ist es auch notwendig, sich mehr über Streckenlängen und ungefähre Routenoptionen den Kopf zu zerbrechten: obwohl dies erfahrungsgemäß dann doch nichts bringt, weil alles anders läuft! Und das ist auch gut so.

Vielleicht trifft das ja nur auf uns zu, aber wir gehen entspannter auf ein Reise-Projekt zu, wenn wir besser vorbereitet sind. Da hat man dann zwar vor der Reise etwas mehr “Stress”, erlebt aber während dessen (gefühlt) weniger Überraschungen.

Das Kochrezept kann nur sein:
do it!

Im Bekanntenkreis erleben wir es oft, dass sich Eltern auf die Suche nach “Kochrezepten für alle Lebenssituationen machen”. Eine hofrequente Konsultation des allwissenden Google wird unterstützt von “einschlägiger Fachliteratur” in Form von Elternratgebern und Checklisten. Dies trifft leider auf jede Lebenslage und damit verbundene Entscheidung zu. Unserer Meinung orientiert sich unsere Generation viel zu wenig an ihren Gefühlen und der zwischenmenschlichen Interaktion. Nicht alles kann checklistenartig abgehandelt und basierend auf der Meinung und Erfahrung anderer entschieden werden. Besonders nicht wenn es um Reise-Erlebnisse geht, denn das ist eine der individuellsten Sachen, die es gibt!

Daher soll dieser Artikel auch kein Kochrezept oder ähnliches sein. Ganz im Gegenteil: er soll eine Motivation sein, in sich hinein zu hören und dann in permanenter Interaktion mit seinem Umfeld und der Umwelt die Welt zu erleben. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, in die Welt hinaus zu reisen. Jede Familie startet von unterschiedlichen Voraussetzungen und hat andere Ziele. Jedes Kind ist anders als ein anderer Mensch.

Für Reisen mit Kindern gibt es kein Kochrezept. Außer eines: “do it!” und tu es auf deine Weise!

Just do it!
Quelle: Just Travelous

 

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