Das Skandinavische Jedermannsrecht

In Skandinavien wird es allgemein groß geschrieben, die Natur zu bewahren aber sie auf jeden Fall auch zu genießen. Das sogenannte “Jedermannsrecht” bietet in den Skandinavischen Ländern die Grundlage dazu. Während es auch außerhalb Skandinaviens ähnliche Rechte gibt, wird das Jedermannsrecht in den nordischen Ländern tatsächlich “gelebt”.

Zelten in Schweden
Bildquelle: schweden-tipp.de (© Thomas Utsi)

Für Reisende bietet das Jedermannsrecht viele Freiheiten. Damit diese Freiheiten auch in Zukunft noch gewährt werden können, muss man sich allerdings an wenige banale Regeln halten.

Im Wesentlichen erlaubt das Jedermannsrecht jedem Menschen, sich frei in der Natur zu bewegen, die Natur zu genießen, und auch die Früchte der Natur zu nutzen. Und dies vor allem unabhängig von einer Zustimmung des Grundbesitzers.

Die Bedingung für dieses Recht ist im Gegenzug eine sehr selbstverständliche: die Ausübung des Jedermannsrechts darf weder der Natur noch anderen Menschen in irgendeiner Form Schaden zufügen oder eine Störung verursachen. Dabei ist vor allem auf den “häuslichen Frieden des Grundbesitzers” zu achten, indem zum Beispiel zu Wohnhäusern ein entsprechender Abstand eingehalten wird.

Ausnahmen zur Ausübung des Jedermannsrechtes kann es geben. Insbesondere Naturschutzgebiete, Nationalparks oder ähnliche Gebiete die besonders schützenswert sind, aber auch militärisch genutzte Gegenden sind ausgenommen.




Was bedeutet das “Jedermannsrecht” genau?

Lokale rechtliche Unterschiede

In Skandinavien stellet das Jedermannsrecht eine uralte Tradition und somit “Gewohnheitsrecht” dar. Dieses ist zwar weitverbreitet anerkannt, hat aber unterschiedliche rechtliche Grundlagen auf staatlicher Ebene.

Schweden

Ein schriftliches “allemansrätten” gibt es nicht. Doch der Geltungsbereich ist über verschiedenste andere Gesetz und Regelungen festgelegt.

Norwegen

In Norwegen ist das “allemannsretten” im “Gesetz über das Leben im Freien” (1957) festgeschrieben.

Finnland

Wie in Schweden ist das “allemansrätten” bzw. “jokamiehenoikeus” ebenfalls nicht direkt, sondern über die Geltungsbereiche anderer Gesetze geregelt.

Kochen am Lagerfeuer
Bildquelle: schweden-tipp.de (©Hakan Vargas)



Was darf man durch das Jedermannsrecht?
Und was darf man nicht?

Jedermann darf sich in der Natur frei bewegen

Menschen dürfen das Land zu Fuß, auf Skiern oder mit dem Fahrrad durchqueren.

Motorisierte Fahrzeuge sind davon ausgenommen. Diese müssen auf unkultiviertem Land am Straßenradn geparkt werden, sodaß durch sie weder Störung noch Schaden entsteht. Auch der Verkehr darf selbstverständlich nicht beeinträchtigt werden.

Es darf kein Schaden an Häusern, Höfen und Gärten, Feldern, Wiesen oder Aufforstung entstehen. Im Sommer müssen Felder unter Nutzung von Wegen durchquert werden. Im Winter darf man sich auf Feldernfrei bewegen. Wenn Tore, Gatter oder sonstige Absperrungen zum Durchqueren geöffnet, so müssen diese unmittelbar nach dem Passieren wieder geschlossen werden, damit zum Beispiel kein Vieh entlaufen kann. Der Bereich um ein Wohnhaus, die sogenannte Hausfriedenszone, darf nicht durchquert werden. Ob ein Grundstück umzäunt ist oder nicht, spielt keine Rolle.

In Norwegen gibt es eine Besonderheit: Kultiviertes Land darf ohne Genehmigung des Besitzers nur im Winter betreten werden, wenn der Boden gefroren oder schneebedeckt ist.

Nächtigung

Durch das Jedermannsrecht ist es gestattet auf unkultiviertem Land ein bis zwei Nächste im Zelt zu übernachten. In der Nähe von Wohnhäusern ist allerdings immer die Genehmigung des Besitzers einzuholen. Ebenso, wenn in Gruppen gezeltet wird. Was in Norwegen dezitier gilt, ist wahrscheinlich immer sinnvoll einzuhalten: von Wohnhäusern muss 150 Meter Abstand gehalten werden.

Für die Nächtigung dürfen außer einem Zelt keine zusätzlichen Aufbauten gemacht werden. Außerdem darf der Boden nicht mehr als nötig aufgegraben werden und sein Erscheinungsbild nicht verändert werden.

Gewässer

Es gilt grundsätzlich freier Zugang zu Meeresküsten, Seen und Flüssen. Baden, Rudern, Paddeln, Segeln und vorübergehendes Anlegen mit Booten ist überall gestattet außer an Privatgrundstücken und Gebieten mit ausgewiesenem Zugangsverbot. Besondere Verbote oder Gebote sind durch behördliche Hinweisschilder gekennzeichnet.

Früchte und Naturmaterialien

Das Sammeln und Pflücken von wild wachsenden Früchten, Beeren, Pilzen, und Blumen ist für den eigenen Bedarf gestattet, soferne kein Artenschutz oder Naturschutzgesetz dies speziell verbietet. Ebenso dürfen herabgefallene Äste und Reisig für den Eigenbedarf gesammelt werden.

Das Mitnehmen von lebenden Bäumen oder Sträuchern, das Abbrechen von Zweigen, Ästen, Reisig, Baumrinde, von Harz und von Saft lebender Bäume ist verboten. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass keine natürlichen Vorkommnisse beschädigt oder abgetötet werden.

Fischerei

In Bezug auf das Fischen gibt es in den meisten Ländern sehr unterschiedliche Regelungen. Generell ist das Fischen im Salzwasser (also im Meer) meist ohne besondere Genehmigung erlaubt, soferne es dem Eigenbedarf dient. Für das Fischen in Süßwasser ist meist eine Genehmigung erforderlich. In den meisten Regionen gibt es auch Beschränkungen, wieviele Fische pro Tag pro Person gefangen werden dürfen.

Auf Grund der Zahlreichen regionalen Unterschiede empfiehtl es sich, vorab genaue Informationen beispielsweise von einer lokalen Touristeninformation einzuholen. Oft kann man dort sogar Angelscheine lösen.

Jagd

Die Jagd fällt niemals unter das Jedermannsrecht. Egal um welches Land und um welches Jagdwild es sich handelt.

Auf Grund der vielen Regionalen unterschiede, empfiehlt es sich lokal detaillierte Erkundigungen einzuholen oder sich über spezielle Agenturen eine Jagdbeteiligung vermitteln zu lassen.

Lagerfeuer

Prinzipiell ist es – bis auf Finnland – erlaubt auf unkultiviertem Land, ein Lagerfeuer zu entzünden. Dabei gilt es, immer äußerst vorsichtigt zu sein. Sobald die Gefahr besteht, dass die Vegetation beschädigt werden könnte, darf kein Feuer gemacht werden. Zum Feuer-Machen darf herabgefalles Holz und Reisig verwendet werden. Lebende Bäume dürfen nicht gefällt oder beschädigt werden.

Auf Grund von Brandgefahr (z.B. durch Trockenheit) gibt es immer wieder regionale Verbote, ein Lagerfeuer anzuzünden. Diese sind dann behördlich kundgemacht und zwingend einzuhalten.

In Nationalparks und Naturschutzgebieten kann es gänzlich verboten sein, ein offenes Feuer anzuzünden. Allerdings gibt es dort meist auch eingerichtete Feuerstellen, die dann explizit genutzt werden dürfen.

In Finnland ist das entfachen offenen Feuers gänzlich ohne die Genehmigung des Grundbesitzers nur im Notfall erlaubt. Campingkocher oder ähnliches, bei dem die Flamme den Boden nicht berührt, sind davon ausgenommen.

In Norwegen ist das anzünden offener Feuer zwischen 15. April und 15. September generell in der Nähe von Wald verboten.

Lagerfeuer
Bildquelle: Canadian Underwriter

 Müll

Unter keinen Umständen darf Müll am Lagerplatz zurück gelassen werden. Es muss stets darauf geachtet werden, dass jeder Ort, den man unter dem Schutz des Jedermannsrechts betritt, auch im gleichen natürlichen Zustand zurück gelassen wird. Nur so kann die Natur in ihrer ursprünglichen Art erhalten und weiterhin genossen werden.

Das Vergraben von Abfällen ist – mit Ausnahme von Exkrementen – ebenfalls verboten. Es besteht die Gefahr, dass Tiere sie ausgraben und sich verletzen könnten.

Doch dass man seinen Dreck wieder mitnimmt und ordentlich entsorgt, hat mit dem Jedermannsrecht nur wenig zu tun! Das sollte jedem vernünftigem Menschen von aus aus klar und wichtig sein! Dass es aber unzählige ignorante und unvernünftige Menschen gibt, macht es notwendig, solche Dinge überhaupt zu erwähnen!



Die Natur gehört Allen gleichermaßen

Die Idee des Jedermannrechts ist, dass die Natur von allen Menschen gleich genutzt werden darf. Vor allem aber, dass “Natur” eigentlich niemandem gehören darf. Oder eben Allen auf gleiche Art und Weise.

Damit verbunden ist aber auch jedermanns Pflicht, sich gut um die Natur zu kümmern und nichts zu zerstören. Die Skandinavier leben uns vor, wie man das schaffen kann. Wir Besucher dieser Länder sollten tunlichst darauf achten, dies zu repsktieren und uns mindestens ebenso gut um die Natur zu kümmern, wenn wir für kurze Zeit die Vorzüge dieser schönen Gegenden genießen dürfen. Wir alle werden es uns danken!

Lofoten
Bildquelle: draussenerleben.com

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